Ministerin besucht Wäscherei 'Delfin' in Hachenburg



Inklusion funktioniert auch in der Arbeitswelt


Hachenburg. Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz will die Zahl der Inklusionsfirmen und der dort beschäftigten Menschen mit einer Behinderung ausbauen. Zu diesen sich erfolgreich am Markt behauptenden Unternehmen gehört im Westerwaldkreis die Wäscherei „Delfin“ in Trägerschaft der Hachenburger Service (HSG) gGmbH. Die rheinland-pfälzische Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie Sabine Bätzing-Lichtenthäler, informierte sich jetzt gemeinsam mit der 1. Beigeordneten der Verbandsgemeinde Hachenburg Gabriele Greis vor Ort in Hachenburg und warb für die Idee der Inklusionsfirmen. Bei diesem Termin stattete sie auch der in direkter Nachbarschaft gelegenen und von der Gemeinnützigen Gesellschaft für Behindertenarbeit GFB gGmbH betriebenen Tagesförderstätte einen Besuch ab.

Zunächst durfte die Ministerin und Beigeordnete die Arbeit des Vereins für Behindertenarbeit als alleinigem Gesellschafter der beiden Tochterunternehmen kennen lernen. Der geschäftsführende Vorsitzende Winfried W. Weber stellte die Entwicklung des Vereins von der Gründung in 1982 und die Initiativen zur GFB (1999) und HSG (2002) vor. Die Geschäftsführer Helena Schuck (GFB) und Erhard Hauptmann (HSG) gaben erste Einblicke in die von ihnen geführten Unternehmen. Für die GFB wurde im Bereich ‚Wohnen‘ der kürzlich mit dem Hospizverein Westerwald abgeschlossene Kooperationsvertrag als Meilenstein herausgestellt, der nun optimal die lebenslange Begleitung der betreuten Menschen ermöglicht und für den Träger ein Alleinstellungsmerkmal darstellt.

Beide betonten die Schwierigkeit in der Gewinnung gut ausgebildeter und motivierter Fachkräfte und die Erschwerung der Arbeit durch eine immer mehr ausufernde Bürokratie am Beispiel der Datenschutzgrundverordnung.

Bätzing-Lichtenthäler nahm das als Anregung mit und bestätigte, man müsse die Rahmenbedingungen in den Griff kriegen und trage mit der Fachkräfteinitiative 2.0 dazu bei. „Junge Menschen, die sich für einen Beruf in der Pflege oder in der Behindertenarbeit entscheiden, geht es nicht in erster Linie um mehr Geld, sondern um Anerkennung!“, so der Gast aus Mainz dazu.  Sie zeigte sich auch dankbar zu Hinweisen über Auswüchse der Datenschutzverordnung und den dadurch verursachten ausufernden Verwaltungsaufwand.

Foto: Röder-Moldenhauer

Bei einem Rundgang durch die Wäscherei lernte Bätzing–Lichtenthäler den Ablauf im Unternehmen kennen. Eine Mitarbeiterin führte der Ministerin eindrucksvoll den scanbaren Würfelcode vor. Mit Hilfe dieser einzigartigen Technik wird sichergestellt, dass alle Kleidungsstücke, die den Weg in die Wäscherei gefunden haben, auch wieder bei den Besitzern ankommen. Eine Verwechslung ist durch optische und akustische Warnsignale ausgeschlossen. Die Arbeit mit einem sogenannten Hemdenfinisher, der bügelfähigen Oberbekleidung mit heißer Luft faltenfrei glättet, zeigte den Automatisierungsgrad aber auch die hohe Energieintensität des Betriebs. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse der Maschinenpark ständig angepasst werden, betonte Erhard Hauptmann in diesem Zusammenhang.

„In der Inklusionswäscherei beschäftigen wir derzeit 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen 20 körperlich oder psychisch behindert oder nach einer Krankheit nicht mehr voll leistungsfähig sind“, stellte HSG-Geschäftsführer Erhard Hauptmann fest. Diese würden bei allen in der Wäscherei anfallenden Tätigkeiten wie Wäscheannahme, Bedienung von Waschmaschine und Trockner sowie Mangeln oder Bügeln eingesetzt.  Gearbeitet wird für Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Hotellerie, Gastronomie, Großbäckereien, Thermen und Bäder sowie auch für Handel und Handwerk, Rettungsdienste, Praxen aber auch Privatkunden. Der Einzugsbereich reicht vom südlichen Oberbergisches Land bis nach Bonn und an die Lahn. Fünf Fahrer bringen mit vier Fahrzeugen auf festgelegten Routen die saubere Wäsche zu den teils weiträumig verteilten Kunden.  „Allein rund 45.000 Einzelstücke an Oberbekleidung reinigen wir monatlich für stationäre Einrichtungen“, meinte die Betriebsleiterin Christa Schmidt.

Bätzing-Lichtenthäler zollte den von den Beschäftigten erbrachten Leistungen eine hohe Anerkennung und setzte sich abschließend mit den von der Geschäftsführung vorgetragenen Auswirkungen der Mindestlohnverordnung und den dadurch bedingten Zwang zu einer höheren Rationalisierung auseinander, was je nach Entwicklung auch Arbeitsplätze gefährden könne.

Abschließend besuchte die Ministerin die angrenzende, um eine 4. Gruppe erweiterte Tagesförderstätte „Auf dem Gleichen“ in Trägerschaft der GFB. Dort nahm sie probehalber und mit großem Interesse den für sie in einer Produktionskette vorgesehenen Arbeitsplatz ein, an dem Mitarbeiterinnen der Einrichtung das pädagogische Konzept der Unterstützten Kommunikation und den TEACCH-Ansatz demonstrierten.

Foto: Verein für Behindertenarbeit

Uli Schmidt, Mitarbeiter der Ministerin und Westerwälder, lobte den Verein und die Tochtergesellschaften als „Das Beste, was der Sozialszene in der Region passieren konnte wegen des sehr hohen Engagements und des Idealismus der Gründer und der Leistungsbereitschaft der in beiden Betrieben Beschäftigten“. Zu den Inklusionsfirmen informierte er darüber, dass diese auch Unterstützung durch das Land erhalten. Interessenten an der Gründung einer solchen Firma bekommen gerne weitere Infos unter uli.schmidt@msagd.rlp.de.

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